Erstellt am: 20.12.2004
Letzte Änderung am: 20.12.2004
Auch im Bereich der Diabetesforschung spielt Gentechnologie eine
wachsende Rolle. Wir haben für Sie einige Aspekte des Zusammenspiels
von Diabetes und Gentechnik zusammengefasst:
Rolle der Gentechnik für Typ-2-Diabetiker
Bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes kommen vielfältige Ursachen
zusammen, zum Beispiel eine Insulinresistenz, begünstigt durch
Übergewicht und Bewegungsmangel. Wissenschaftler gehen heute teilweise
davon aus, dass ein bestimmtes Gen mit an der Entstehung von
Typ-2-Diabetes verantwortlich ist und dass bei etwa 15 % aller
Erkrankten der Diabetes auf eine genetische Disposition zurückzuführen
ist. Der Diabetes wird nach diesen Überlegungen nicht direkt von den an
Altersdiabetes erkrankten Eltern (oder einem Elternteil) weitervererbt,
wohl aber das erhöhte Risiko, später einmal zu erkranken.
Auch auf
andere individuelle Faktoren, wie zum Beispiel Körpergewicht und
Stoffwechsel, nehmen die genetischen Anlagen des Menschen Einfluss.
Indirekt wird dadurch auch das Diabetesrisiko beeinflusst.
Die Forschung versucht, direkt an dieser Stelle einzugreifen und
gesundheitliche Risiken auszuräumen. Als Beispiel: Wissenschaftler
züchteten eine genetisch veränderte Maus, die sogenannte "Heiße Maus"
(Hot Mouse). Diese Maus kann riesige Nahrungsmengen zu sich nehmen,
ohne dick zu werden, denn sie verbrennt erheblich mehr Energie als ihre
"normalen" Verwandten.
Auf den Menschen übertragen würde dies
bedeuten, dass man Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen mit
entsprechender genetischer Disposition verhindern könnte. Ein erheblich
erhöhtes Gewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren bei der Entstehung
von Typ-2-Diabetes. In diesem Zusammenhang ist Gentechnologie auch im
Bereich der Entwicklung bestimmter Lebensmittel lange im Gespräch.
Möglich wären zum Beispiel diätetische Lebensmittel, die Übergewicht
verhindern helfen.
Möglicher Nutzen der Gentechnologie für Diabetes-Patienten
Schon längst nutzen die meisten insulinpflichtigen Diabetiker das Zusammenspiel von Gentechnik und Diabetestherapie, denn bei der Herstellung von Humaninsulin kommt seit gut 15 Jahren moderne Gentechnologie zum Einsatz. In einem biosynthetischen Herstellungsverfahren werden Bakterien dazu gebracht, Insulinmoleküle zu bilden. Humaninsulin hat das tierische Insulin weitestgehend abgelöst.
Zurzeit konzentriert sich die Forschung vor allem auf den Bereich
der Bauchspeicheldrüse - im Fokus steht die Wiederherstellung
funktionstüchtiger Betazellen, die genug eigenes Insulin produzieren.
US-amerikanischen
Forschern gelang es kürzlich, solche insulin-produzierenden Betazellen
zu züchten, in dem sie einen Trick anwendeten: Sie isolierten
Betazellen und wandelten sie in einer Kultur in Bindegewebs-ähnliche
Zellen um. Diese Zellen lassen sich, im Gegensatz zu den Betazellen,
gut vermehren. Nach der erfolgreichen Vermehrung wurden die Zellen mit
Hilfe eines speziellen Serums wieder in Insulin-produzierende Zellen
umgewandelt.Denkbar wäre in der Zukunft, dass solche Zellen dem
diabetischen Patienten implantiert würden, so dass er kein zusätzliches
Insulin mehr zuführen muss.
Ebenfalls vielversprechend sind Ansätze, die eingreifen, bevor der Diabetes ausbricht, die also den zur Erkrankung führenden Autoimmunprozess stoppen. Dies würde allerdings einschließen, dass bei jedem Risikopatienten (oder gar bei allen Menschen) ein entsprechendes Screening auf prädiabetische Faktoren durchgeführt würde - vom finanziellen Aufwand her zurzeit undenkbar.
Einwände und Hindernisse
In der Diskussion um Gentechnik werden vor allem ethisch-moralische Einwände und Bedenken regelmäßig laut; Ängste vor dem Bild des "neuen" oder "verbesserten" Menschen, vor der Zweiklassengesellschaft Gesunder und Kranker sind verständlich. Vor allem die Stammzellenforschung an Embryos und das Klonen von Menschen stoßen weithin auf Ablehnung. In Deutschland sind sowohl das reproduktive Klonen als auch das Forschungsklonen per Gesetz verboten. Eine ethisch unumstrittene Alternative zur Stammzellenforschung an Embryos ist die Gewinnung adulter Stammzellen, entweder aus der eigenen Bauchspeicheldrüse des Patienten oder aus Spenderorganen. Letztendlich darf "Gentechnologie" nicht gleichgesetzt werden mit "Genmanipulation".
Noch viel Forschungsbedarf
Es sind wahrscheinlich eine Vielzahl von Genen an der Entstehung von Typ-2-Diabetes beteiligt. Einige Zusammenhänge, etwa warum manche Diabetiker Folgekrankheiten entwickeln und andere nicht, sind noch unklar. Lange nicht alle Diabetespatienten mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten entwickeln irgendwann eine Retinopathie oder Nephropathie, sondern nur ein bestimmter Prozentsatz. Bevor Gentechnik gezielt zur Behandlung von Diabetikern zum Einsatz kommen kann, muss daher zunächst die Diagnostik weiter voranschreiten, um eventuelle Risikogruppen auszumachen und individuell therapieren zu können. Das menschliche Genmaterial ist nahezu komplett entschlüsselt - der Forschungsbedarf wird dadurch jedoch nicht kleiner, sondern wächst ständig.
Autor: Christina Liebeck
Quelle:
www.3sat.de/nano
www.diabetes.uni-duesseldorf.de/
www.aerztezeitung.de
Gentechnik gegen Diabetes - www.berlinews.de/archiv/722.shtml