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Gentechnologie

Gentechnologie und Diabetes - Hoffnungen und Hindernisse

In Deutschland ist der Begriff "Gentechnik" noch ein Reizwort. Gerade in Verbindung mit den Schlagworten "Stammzellenforschung" und "Klonen" steht das Thema für polarisierende und häufig angstbesetzte Diskussionen.

Auch im Bereich der Diabetesforschung spielt Gentechnologie eine wachsende Rolle. Wir haben für Sie einige Aspekte des Zusammenspiels von Diabetes und Gentechnik zusammengefasst:
 
Rolle der Gentechnik für Typ-2-Diabetiker

Bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes kommen vielfältige Ursachen zusammen, zum Beispiel eine Insulinresistenz, begünstigt durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Wissenschaftler gehen heute teilweise davon aus, dass ein bestimmtes Gen mit an der Entstehung von Typ-2-Diabetes verantwortlich ist und dass bei etwa 15 % aller Erkrankten der Diabetes auf eine genetische Disposition zurückzuführen ist. Der Diabetes wird nach diesen Überlegungen nicht direkt von den an Altersdiabetes erkrankten Eltern (oder einem Elternteil) weitervererbt, wohl aber das erhöhte Risiko, später einmal zu erkranken.
Auch auf andere individuelle Faktoren, wie zum Beispiel Körpergewicht und Stoffwechsel, nehmen die genetischen Anlagen des Menschen Einfluss. Indirekt wird dadurch auch das Diabetesrisiko beeinflusst.

Die Forschung versucht, direkt an dieser Stelle einzugreifen und gesundheitliche Risiken auszuräumen. Als Beispiel: Wissenschaftler züchteten eine genetisch veränderte Maus, die sogenannte "Heiße Maus" (Hot Mouse). Diese Maus kann riesige Nahrungsmengen zu sich nehmen, ohne dick zu werden, denn sie verbrennt erheblich mehr Energie als ihre "normalen" Verwandten.
Auf den Menschen übertragen würde dies bedeuten, dass man Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen mit entsprechender genetischer Disposition verhindern könnte. Ein erheblich erhöhtes Gewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes. In diesem Zusammenhang ist Gentechnologie auch im Bereich der Entwicklung bestimmter Lebensmittel lange im Gespräch. Möglich wären zum Beispiel diätetische Lebensmittel, die Übergewicht verhindern helfen.

Möglicher Nutzen der Gentechnologie für Diabetes-Patienten

Schon längst nutzen die meisten insulinpflichtigen Diabetiker das Zusammenspiel von Gentechnik und Diabetestherapie, denn bei der Herstellung von Humaninsulin kommt seit gut 15 Jahren moderne Gentechnologie zum Einsatz. In einem biosynthetischen Herstellungsverfahren werden Bakterien dazu gebracht, Insulinmoleküle zu bilden. Humaninsulin hat das tierische Insulin weitestgehend abgelöst.

Zurzeit konzentriert sich die Forschung vor allem auf den Bereich der Bauchspeicheldrüse - im Fokus steht die Wiederherstellung funktionstüchtiger Betazellen, die genug eigenes Insulin produzieren.
US-amerikanischen Forschern gelang es kürzlich, solche insulin-produzierenden Betazellen zu züchten, in dem sie einen Trick anwendeten: Sie isolierten Betazellen und wandelten sie in einer Kultur in Bindegewebs-ähnliche Zellen um. Diese Zellen lassen sich, im Gegensatz zu den Betazellen, gut vermehren. Nach der erfolgreichen Vermehrung wurden die Zellen mit Hilfe eines speziellen Serums wieder in Insulin-produzierende Zellen umgewandelt.Denkbar wäre in der Zukunft, dass solche Zellen dem diabetischen Patienten implantiert würden, so dass er kein zusätzliches Insulin mehr zuführen muss.

Ebenfalls vielversprechend sind Ansätze, die eingreifen, bevor der Diabetes ausbricht, die also den zur Erkrankung führenden Autoimmunprozess stoppen. Dies würde allerdings einschließen, dass bei jedem Risikopatienten (oder gar bei allen Menschen) ein entsprechendes Screening auf prädiabetische Faktoren durchgeführt würde - vom finanziellen Aufwand her zurzeit undenkbar.

Einwände und Hindernisse

In der Diskussion um Gentechnik werden vor allem ethisch-moralische Einwände und Bedenken regelmäßig laut; Ängste vor dem Bild des "neuen" oder "verbesserten" Menschen, vor der Zweiklassengesellschaft Gesunder und Kranker sind verständlich. Vor allem die Stammzellenforschung an Embryos und das Klonen von Menschen stoßen weithin auf Ablehnung. In Deutschland sind sowohl das reproduktive Klonen als auch das Forschungsklonen per Gesetz verboten. Eine ethisch unumstrittene Alternative zur Stammzellenforschung an Embryos ist die Gewinnung adulter Stammzellen, entweder aus der eigenen Bauchspeicheldrüse des Patienten oder aus Spenderorganen. Letztendlich darf "Gentechnologie" nicht gleichgesetzt werden mit "Genmanipulation".

Noch viel Forschungsbedarf

Es sind wahrscheinlich eine Vielzahl von Genen an der Entstehung von Typ-2-Diabetes beteiligt. Einige Zusammenhänge, etwa warum manche Diabetiker Folgekrankheiten entwickeln und andere nicht, sind noch unklar. Lange nicht alle Diabetespatienten mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten entwickeln irgendwann eine Retinopathie oder Nephropathie, sondern nur ein bestimmter Prozentsatz. Bevor Gentechnik gezielt zur Behandlung von Diabetikern zum Einsatz kommen kann, muss daher zunächst die Diagnostik weiter voranschreiten, um eventuelle Risikogruppen auszumachen und individuell therapieren zu können. Das menschliche Genmaterial ist nahezu komplett entschlüsselt - der Forschungsbedarf wird dadurch jedoch nicht kleiner, sondern wächst ständig.

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