Erstellt am: 15.01.2004
Letzte Änderung am: 16.01.2004
Diabetes geht mit vielerlei Folgeerkrankungen einher. Zu den bekanntesten zählen Durchblutungsstörungen der Beine, Erkrankungen an den Nieren und Augen. Die Betroffenen sind über Gefahren und Risiken meist gut aufgeklärt und in ständiger ärztlicher Betreuung. Selten Beachtung findet eine ebenso häufig auftretende Späterkrankung - die Cheiropathie oder auch Fingersteife genannt.
Oft als Alterserscheinung abgetan, ist die Fingersteife bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung sogar heilbar.
Man schätzt, dass fast jeder 3. Langzeitdiabetiker betroffen ist. Auch Personen ohne Stoffwechselstörung können an Fingersteife erkranken. Mit knapp 13 % liegt die Rate aber um ein Vielfaches niedriger als bei Diabetikern. Dabei spielt der Diabetestyp eine nebensächliche Rolle.
Wo keine Symptome- kein Patient?!
Die Missachtung der Fingersteife kann darauf zurückgeführt werden, dass sie häufig als Krankheit gar nicht erst erkannt wird. Schmerzen treten nur schwach oder gar nicht auf. Die Diagnose wird meist eher zufällig z.B. durch Röntgenaufnahmen gestellt.
Ursache einer solchen Erkrankung ist eine schlechte Blutzuckereinstellung. Über Jahre hinweg lagern sich in Blutgefäßen und Gewebe Zucker ab. Es kommt zu einer Glykosilierung von Kollagenfasern, die eine verminderte Beweglichkeit der Gelenke zur Folge hat. Anfängliche Symptome treten in den kleinen Fingergelenken auf. Die Streckfähigkeit einzelner Finger ist eingeschränkt, breitet sich langsam über die ganze Hand und manchmal bis zu den Zehen aus. Die Funktionsfähigkeit nimmt ab, es kommt zur Versteifung der Finger. Der Betroffene verspürt keine bis wenig Schmerzen. In den Füßen verläuft es ähnlich. Die versteiften Zehen können zudem Fehlstellungen verursachen. Dies wiederum könnte zu schmerzhaften und schwer zu behandelnden Verletzungen der Füße führen (siehe Diabetisches Fußsyndrom). In seltenen Fällen tritt eine sogenannte "frozen shoulder" auf. Übersetzt als Schultersteife kommt es ebenfalls durch schlechte "Zuckerwerte" zu einer Verhärtung des Bindegewebes und der Versteifung der Schultergelenke.
Bei Verdacht Arzt konsultieren
Der Arzt kann durch einfache Handgriffe überprüfen, ob eine Cheiropathie vorliegt. Die wohl bekannteste Methode ist die "Gebetsstellung". Dazu muss der Patient seine Hände wie zum Gebet aneinander legen. Gelingt dies nicht und können einzelne Finger nicht ausgestreckt werden, liegt eine Erkrankung vor. Eine Fehlstellung oder Versteifung der Gelenke kann ebenfalls durch einen einfachen Handabdruck nachgewiesen werden. Die Hände werden eingefärbt und auf ein Blatt Papier gedrückt. Normalerweise muss danach ein vollständiger Handabdruck zum Vorschein kommen.
Steht die Diagnose fest, hilft schnelles Handeln. Die beste Therapie ist eine dauerhaft sehr gute Blutzuckereinstellung. Regelmäßige Kontrollen und eine Gewichtsreduktion helfen zusätzlich den Blutzuckerwert unter Kontrolle zu halten. In den meisten Fällen verordnet der behandelnde Arzt Physiotherapie. Durch regelmäßige Gymnastik sollen die Gelenke gelockert und die verkümmerten Muskeln wieder aufgebaut werden. Eine Behandlung ist in jedem Fall lohnenswert. Denn der Gebrauch von Händen und Füßen ist wichtiger Bestandteil, um den Alltag selbständig zu meistern und die Lebensqualität zu sichern.