Erstellt am: 16.07.2004
Letzte Änderung am: 16.07.2004
Die Bauchspeicheldrüse ist das Organ des Menschen, welches das für den Zuckerabbau notwendige Hormon Insulin produziert. Wie sieht es eigentlich mit dem Zuckerabbau aus, wenn man an der Bauchspeicheldrüse erkrankt? Leider führen Pankreaskrebs oder eine Pankreatitis meist zwangsweise zur Entwicklung eines Diabetes mellitus.Pankreaskrebs
Die genauen Ursachen für Krebs an der Bauchspeicheldrüse sind bisher noch nicht bekannt, man stellt ihn jedoch immer öfter in Verbindung mit dem Rauchen. Meist entsteht Pankreaskrebs im Kopf der Bauchspeicheldrüse. Folgen eines solchen Tumors sind meist vermindertes oder gar ganz gestörtes Ausscheiden des Gallensekrets oder die Blockierung der Produktion der Verdauungsenzyme. Diabetes mellitus ist häufig ein erstes Symptom eines Pankreaskrebs, da auch die Insulinproduktion blockiert werden kann. Die Zuckerkrankheit kann allerdings auch erst nach der Diagnose oder nach der Operation auftreten.
(Teil-) Entfernung der Bauchspeicheldrüse
Eine Entfernung des Tumors ist bei dieser Erkrankung die einzige Chance auf Heilung. Die Größe des Tumors entscheidet darüber, ob nur Teile der Bauchspeicheldrüse oder das gesamte Organ entfernt werden müssen. Eine komplette Entfernung der Drüse kommt heute zwar selten vor, führt aber zwangsweise immer zu einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus.
Aber auch bei Teilentfernungen tritt die Zuckerkrankheit häufig auf, da immer noch zu wenig Insulin produziert wird. Allerdings kann man hier um eine insulinpflichtige Therapie herumkommen, wenn die Produktion von Insulin nur im geringen Maße beeinträchtigt ist. Dann reicht meist eine dem Diabetes angepasste Ernährung und die Einnahme von oralen Antidiabetika aus, um den Insulinhaushalt in Einklang zu bringen. Kommt es aber nach der Teilentfernung zu einer Selbstzerstörung des bereits dezimierten Organs, ist eine Insulinbehandlung ebenfalls unumgänglich.
Endokrine Tumore –Insulinom und Glukagonom
Ein weitere Möglichkeit der Krebserkrankung ist ein endokriner Tumor. Als endokrine Drüsen bezeichnet man die Produktionsstätten von Hormonen. Wenn eine solche hormonbildende Drüse entartet, spricht man von einem endokrinen Tumor.
Das sogenannte Insulinom ist der häufigste hormonproduzierende Tumor der Bauchspeicheldrüse. Die entarteten Zellen produzieren unkontrolliert Insulin, ohne dass ein hemmender Regelkreis die Insulinbildung stoppt. Die Folgen sind klassische Anzeichen der Unterzuckerung. Das Glukagonom tritt viel seltener als das Insulinom auf. Hier bildet sich unreguliert das Hormon Glukagon, was zu einer extremen Erhöhung des Blutzuckerspiegels führt. So kann sich ebenfalls ein Diabetes mellitus manifestieren.
Chronische und Akute Pankreatitis
Die chronische Pankreatitis ist eine lange Zeit andauernde Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Hierbei kommt es bei wiederholten Schädigungen der Drüse nach und nach zur langsamen Zerstörung der funktionstüchtigen Zellen. Diese werden durch vernarbtes Gewebe ersetzt, was zur Folge hat, dass die Bauchspeicheldrüse ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann. Da auch die insulinproduzierenden Zellen häufig betroffen sind kommt es in den meisten Fällen zur Manifestierung eines Diabetes mellitus.
Bei einer akuten Pankreatitis sind die Funktionsstörungen meist nur vorübergehend. So entwickelt sich nur in seltenen Fällen eine dauerhafte Zuckererkrankung, wenn die Schädigung der Zellen derart schwer ist, dass diese absterben.
Autor: Carolin Bunge
Quelle: "Eine Patienten-Information zum Thema Bauchspeicheldrüsenerkrankungen", Chirurgische Klinik, Uni Heidelberg (2004)