Erstellt am: 22.02.2003
Letzte Änderung am: 15.11.2006
Es ist weithin bekannt, dass Diabetes Erkrankungen an Augen, Nieren, Nerven oder dem Herz-Kreislaufsystem verursacht. Unbekannter sind jedoch die Folgen für Zähne und Zahnfleisch.Zwar gibt es keine diabetesspezifischen Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs, aber oft ist der Krankheitsverlauf bei Patienten mit Diabetes schwerer als bei Nicht-Diabetikern.
Eine der wesentlichsten zahn-medizinischen Erkrankungen ist die Parodontitis (oder wie sie früher oft bezeichnet wurde: die Parodontose). Die Parodontitis ist eine entzündliche Zahnbetterkrankung, die den Zahn-halteapparat betrifft. Hauptursache für die Parodontitis ist die Bildung von Zahnbelag (Plaque). Der Zahnbelag enthält Speisereste, Bestandteile des Speichels und vor allem Bakterien. Der Speichel verhärtet den Belag zu Zahnstein, welcher eine mechanische Reizung hervorruft, während die Bakterien den in der Nahrung enthaltenen Zucker zu Säuren verarbeiten. Diese führen dann zu einer Rötung und Schwellung des Zahnfleischs, also einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Wird nun nichts unternommen, tritt Zahnfleischbluten auf und es kommt zu einer Taschenbildung im Zahnfleisch. Und nun geht es immer weiter: in der Tasche lagert sich neuer Belag ein und sie vergrößert sich, bis auch der knöcherne Teil des Zahnes an-gegriffen wird (die eigentliche Parodontitis) und später sogar die Wurzelspitze. Dies führt zu einer Lockerung des Zahnes.
Außer dem Plaque sind weitere Risikofaktoren für die Parodontitis Mundatmung, die zur Austrocknung der Schleimhäute führt, Allergien, genetische Dispositionen und eben Diabetes. In Studien hat sich gezeigt, dass Parodontitis bei Diabetikern 3-mal so häufiger auftritt als bei Menschen ohne die Zuckerkrankheit. Ein Grund hierfür ist die schlechtere Durchblutung des Zahnfleisches bei Diabetikern. So hat sich gezeigt, dass bei schlecht eingestellten Diabetikern Parodontitis deutlich häufiger vorkommt als bei gut eingestellten Diabetikern.
Aber es gibt nicht nur einen Zusammenhang zwischen Diabetes und dem Verlauf der Parodontitis sondern auch umgekehrt. Solche Diabetiker, die an einer schweren Parodontitis litten, hatten über einen längeren Zeitraum gesehen ein höheres Vorkommen von Nierenerkrankungen, Herzinfarkten und Schlagan-fällen. Daraus lässt sich folgern, dass je gesünder die Mundhöhle ist, desto einfacher ist der Diabetes zu kontrollieren. Und je besser der Diabetes kontrol-liert wird, desto einfacher können Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen geheilt oder vermieden werden.
Hierzu ist aber unbedingt die Mitarbeit des Patienten erforderlich! Zum einen sollte er auf die richtige Mundhygiene und zum andern auf mögliche Symptome wie Zahnfleischbluten, Mundgeruch oder Zahnschmerzen achten.