Erstellt am: 22.08.2003
Letzte Änderung am: 24.02.2004
"Metabolisch" bedeutet zunächst "den Stoffwechsel betreffend". Das metabolische Syndrom bezeichnet generell nicht eine fest umrissene Krankheit, sondern vielmehr eine Anzahl von verschiedenen Stoffwechselerkrankungen und -störungen. Am häufigsten treten dabei Typ-2-Diabetes, hervorgerufen durch eine Insulinresistenz, Adipositas (Fettsucht), Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und ein erhöhter Harnsäurespiegel auf, der zu Gicht führen kann. Nicht alle diese Krankheiten müssen gleichzeitig auftreten.
Insulinresistenz als Auslöser von Typ-2-Diabetes
Während der Typ-1-Diabetes eine Autoimmunerkrankung ist, spielen bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes mehrere Risikofaktoren eine Rolle, die im Rahmen des metabolischen Syndroms zusammenspielen. Früher glaubte man, dass die Insulinresistenz, die den Diabetes auslöst, Ausdruck eines Defektes der Insulinrezeptoren im Körper ist. Heute wird davon ausgegangen, dass in den wenigstens Fällen tatsächlich eine Mutation dieser Rezeptoren vorliegt.
Das fehlende oder ungenügende Ansprechen des Körpers auf Insulin wird vielmehr damit erklärt, dass vermehrt im Blut zirkulierende Fettsäuren, Substanzen aus dem Bauchfett und möglicherweise auch Störungen im Eisenstoffwechsel die komplexen Mechanismen negativ beeinflussen und die Insulinwirkung stören oder völlig aufheben. Zunächst reagiert der Körper darauf und versucht, die Störung mit einer gesteigerten Insulinproduktion auszugleichen. Die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse können ihre Leistung nämlich bei Bedarf um das zehnfache steigern. Aber irgendwann, häufig erst nach Jahren, kann auch die Bauchspeicheldrüse den vermehrten Insulinbedarf nicht mehr decken, der Blutzuckerspiegel steigt immer weiter an - der Diabetes ist da.
Treffen Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck zusammen, dann steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und deren Folgen - Schlaganfall und Herzinfarkt - ganz erheblich.
Das metabolische Syndrom ist vor allem in Industrieländern verbreitet, da es eng mit Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung verknüpft ist, typischen Erscheinungen unser Wohlstandsgesellschaft. Das metabolische Syndrom - eine echte Zivilisationskrankheit. Doch wie kann man dem vorbeugen? Und was tun, wenn man bereits unter den Begleiterscheinungen leidet?
Prävention und Behandlung
Gute Erfolge in der Prävention und Behandlung des metabolischen Syndroms lassen sich bereits über eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung erreichen. Auch alte Ernährungsfehler - schließlich bildet sich Übergewicht nicht von heute auf morgen - lassen sich auf diesem Weg zu einem Teil wieder gutmachen. Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sollten durch eine Diät behandelt werden, wobei mit Diät keine ungesunden Crash- oder "Bikini"-Diäten gemeint sind, sondern eine konsequente und langfristige Ernährungsumstellung. Das Ziel ist nicht die perfekte Figur, sondern ein gesundes Wohlfühlgewicht
Möglichst wenig tierische Fette sollte man zu sich nehmen; vor allem bei hohem Fleischkonsum besteht die Gefahr einer Übersäuerung des Blutes. Die Harnsäure lagert sich vorzugsweise in den Gelenken ab und verursacht dort die für Gicht typischen Schmerzen. Anstatt von Fleisch und Wurst sollten also reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte auf dem Speiseplan stehen. Mit Salz sollte sparsam ungegangen werden, Alkohol ist ebenfalls nur in sehr geringen Mengen zu empfehlen. Hilfe und Informationen zum Thema Gewichtsreduktion bekommt man beim Arzt, einem Ernährungsberater oder Diät-Assistenten. Krankenkassen bieten häufig umfangreiche und leicht verständliche Ernährungspläne, die auch für Berufstätige umsetzbar sind.
Da dem Typ-2-Diabetes oft jahrelang degenerative Gefäßkrankheiten vorausgehen, ist als enorm wichtige präventive Maßnahme auch der Verzicht auf Nikotin zu nennen.
Ein Wort zur Bewegung: Viele Schreibtischjobs bringen es mit sich, dass man den ganzen Tag sitzt. Und es ist verständlich, dass man nach einem anstrengenden Arbeitstag keine Lust mehr verspürt, ein Fitnessprogramm zu absolvieren. Abends lockt dann eher der gemütliche Fernsehsessel, Chips und Knabberzeug tragen zur Entspannung bei. Der Mensch ist allerdings nicht zum ausschließlichen Sitzen gemacht, und fehlende Bewegung macht ihn krank. Außer Übergewicht drohen auch Erkrankungen des Bewegungsapparates, allem voran Rückenprobleme. Es gilt also, den Spaß an der Bewegung wiederzuentdecken. Bereits dreimal in der Woche eine halbe Stunde Ausdauersport - Schwimmen, Walken, Fahrradfahren - steigern deutlich das Wohlbefinden, kurbeln den Stoffwechsel an und wirken sich günstig auf die Blutzuckerwerte aus. Ganz nebenbei erreicht man auch ein positives Körpergefühl, weniger Stress und mehr Energie für den Alltag. Joggen sollten Sie bei Übergewicht den Gelenken zuliebe nicht unbedingt, fragen sie lieber vorher Ihren Hausarzt, welcher Sport geeignet ist.