Erstellt am: 14.10.2003
Letzte Änderung am: 21.10.2003
Kisten voll mit alten Fotografien, Messbesteck, Büchern und antiquarischen Exponaten rund um die Krankheit Diabetes stapeln sich im notdürftigen Lager bis unter die Decke. Dabei ist der Inhalt alles andere als alter Ramsch und Gerümpel, der zum Einstauben in die Ecken eines Kellers gehört. Aber etwas anderes blieb den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern des Deutschen Diabetes Museums in Bad Bevensen nicht übrig, als Anfang August das Museum nach 12 Jahren ausziehen musste. Grund ist die Schließung der örtlichen Diabetesklinik, welche dem Museum kostenlos ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung stellte.
Die Suche nach einer neuen Ausstellungsfläche blieb bisher erfolglos. "Wir haben keine großen Ansprüche. Schön wäre nur in der Mitte Deutschlands, damit alle Interessierten hinkommen können", erklärt die Pressesprecherin des Museums Nicola Finke-Fricke. "Wenn wir etwas zusammenrücken, dürfte eine Fläche von 200 m2 ausreichen", so Finke-Fricke weiter.
Diabetes zum Anfassen
Wolfgang Leder, 1992 mit der Gerhardt-Katsch-Gedächtnis-Medaille geehrt, gründete das Museum 1989. Am 6. Oktober 2003 verstarb er 83jährig in Bad Bevensen. Sein ganzes Leben widmete er dem Diabetes. Mit einem deutschlandweit einmaligen Museum wollte er über die bis dahin in weiten Teilen der Bevölkerung noch unbekannte Krankheit informieren und aufklären. Von der Eröffnung des Museums bis heute haben sich an die 500 Exponate und Schriften angesammelt. Über mangelndes Interesse konnte bisher niemand klagen. Tausende Betroffene, Angehörige und Interessierte wurden Jahr für Jahr verbucht. Wer den Weg einmal nach Bad Bevensen gefunden hatte, wurde mit einer Fülle von Informationen über die Geschichte der Krankheit, die Entwicklung der Behandlungsmethoden und Messgeräte belohnt. Besonders stolz ist man auf eine noch original abgefüllte und abgepackte Flasche Insulin aus dem Jahre 1922, aus jener Zeit in der es Insulin nur in Pulverform gab. Über ein spezielles Verfahren musste das lebensnotwenige Insulin vor dem Spritzen erst verflüssigt werden.
"Aus jeder Etappe der Entwicklung war es uns möglich Materialien, wie alte Schriften, Dokumente, Fotos, Messgeräte und Spritzbesteck zusammenzutragen und sichtbar zu machen", berichtet Nicola Finke-Fricke. Darüber hinaus erfährt der Besucher viel aus dem Alltagsleben, den Problemen und Herausforderungen denen sich Diabetiker damals und heute stellen mussten und müssen. So gab es 1933 ein gesetzliches Heiratsverbot für Diabetiker. Erst eine dritte Instanz entschied von Fall zu Fall und je nach finanzieller Rücklage des noch unvermählten Paares, ob eine Heirat zulässig war. "Auch wenn wir kritische Aspekte, wie Ernährung damals und heute mit einbeziehen, wollen wir nicht den Eindruck erwecken den Besucher mit erhobenen Zeigefinger zu belehren. Stattdessen wollen wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen und über diese Krankheit aufklären", erklärt Nicola Finke-Fricke.
Für weitere Fragen steht Frau Nicola Finke-Fricke zur Verfügung. Telefon: 0511/3941134
Das Interview mit Frau Nicola Finke-Fricke wurde am 10. Oktober 2003 durchgeführt.
Autor: Steffi Dörries
Quelle: www.diabetiker-hannover.de