Erstellt am: 18.03.2004
Letzte Änderung am: 24.10.2003
Aber auch bei Diabetikern, vor allem bei langjährigen Typ-II Diabetikern und bei solchen mit einem Body Mass Index über 30 (= stark übergewichtig), tritt diese Art der Deformation auf. Je nach Studie könnten derzeit bis zu 16% aller Diabetiker, die unter einer Neuropathie, einer Nervenschädigung, leiden, davon betroffen sein. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht.
Diese Neuropathie bedeutet eine Schädigung der Nervenbahnen im Fuß. Warnsignale werden nicht mehr zuverlässig oder auch gar nicht mehr übertragen. Das Schmerzempfinden lässt immer mehr nach, bis es unter Umständen ganz ausfällt.
Dazu kommt noch, dass das zentrale Nervensystem kaum noch Informationen über die Position und auch die Statik des Fußes erhält. Fehlhaltungen werden somit nicht mehr korrigiert. Die Folgen sind Fehlbelastungen, die wiederum Druckstellen hervorrufen können, und eine Instabilität des Fußes.
Ein sogenanntes Bagatelltrauma, z.B. ein Stoß gegen die Tür oder ein Gegenstand, der auf den Fuß fällt, kann eine Fraktur auslösen. In vielen Fällen merken die Patienten allerdings nicht, was passiert ist, denn sie empfinden keine Schmerzen. Sie laufen oft wochenlang mit gebrochenem Fuß umher. Nach einiger Zeit bemerken sie schließlich eine Verformung des Fußes. Er wird plumper und kann zum Teil auch eigenartige Beulen bekommen, je nachdem wohin die deformierten Knochen drücken. Ganz allmählich senkt sich der Fuß und verliert seine natürliche Achse - er gerät aus dem Gleichgewicht.
Da die Deformationen der Knochen auf das Gewebe drücken, können tiefergehende Geschwüre mit bakteriellen Infektionen entstehen. Entzündete Stellen werden sichtbar, ebenso schwillt der Fuß an und wird rot und sehr warm.
Auf alle Fälle sollten in so einem Fall vom Fuß Röntgenaufnahmen gemacht werden. Im akuten Stadium sind - wenn überhaupt - nur leichte Deformationen vorhanden. Ist der Charcot-Fuß allerdings schon chronisch, lassen sich starke Fehlbildungen erkennen. Es kann sogar bis zu einem Zusammenbruch des gesamten Fußgewölbes führen.
Treten diese Symptome auf, muss der Fuß sofort ruhig gestellt und von jeglichem Druck entlastet werden. Damit können weitere Frakturen und irreparable (= nicht mehr korrigierbare) Fehlbildungen vermieden werden. Natürlich erfolgt auch eine Schienung des Knochenbruches. Oft wird dafür eine Zweischalenorthese verwendet. Diese schließt den Fuß und den gesamten Unterschenkel ein. Das Gewicht wird vom Fuß auf Knie und Unterschenkel verteilt, so dass eine vollständige Entlastung erfolgt, der Patient aber trotzdem nicht ans Bett gefesselt ist.
Durch die Ruhigstellung können die Druckstellen sehr gut und schnell abheilen. Bis die Fraktur aber komplett verheilt und das Fußskelett wieder stabil ist, kann es bis zu einem halben Jahr dauern.
Nicht alle Deformationen können rückgängig gemacht werden, vor allem dann nicht, wenn die Behandlung erst sehr spät erfolgt. Auch können sich Gelenke versteifen. Amputationen jedoch sind heute kaum noch nötig.
Ist die Behandlung der Läsion abgeschlossen, müssen weiterführende Maßnahmen ergriffen werden. Ein orthopädischer Maßschuh ist dann unumgänglich. Sowohl unterwegs, als auch zu Hause müssen diese getragen werden. Alle anderen Schuhe sind tabu. Auch sollte darauf geachtet werden, dass der Stoffwechsel optimiert wird.
Kann man diesem Erscheinungsbild vorbeugen?
Man kann. Bei einer täglichen Kontrolle der Füße werden kleinste Änderungen sofort erkannt und idealerweise sofort dem Arzt mitgeteilt bzw. gezeigt. Dieser leitet frühzeitig die notwendige Behandlung ein.
Worauf genau geachtet werden soll, wie man sich vor unnötigen Verletzungen schützen und den Fuß am besten schonen kann, steht auch unter der Rubrik "Tipps und Tricks".
Das D´gate Fußspecial:
Autor: Redaktion
Quelle: www.aerztezeitung.de
www.infoline.at
Der Diabetische Fuß" Diagnose, Therapie und schuhtechnische Versorgung. Ein Leitfaden für Orthopädie-Schuhmacher, Friederike Bischof, Carsten Meyerhoff, Jürgen Eltze, Karl Türk
Gespräch mit Stefan Rengsberger, Orthopädie-Schuhmachermeister