Erstellt am: 18.11.2003
Letzte Änderung am: 20.11.2003
Die Eisenspeicherkrankheit ist durch eine erhöhte Aufnahme von Eisen
gekennzeichnet. Normal bei einem erwachsenen Mann ist die tägliche
Aufnahme von 1mg Eisen aus der Nahrung, bei Frauen während der
fruchtbaren Jahre etwa 2 mg. Ist diese Funktion gestört, steigt die
Tagesmenge auf das 10fache an. Die überschüssigen Spurenelemente kann
der Körper nicht verarbeiten. Anstatt sie auszuscheiden, lagert er sie
in lebenswichtigen Organen wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Herzmuskel
oder Niere ab. Tritt eine erhöhte Konzentration in der
Bauchspeicheldrüse (Pankreas) auf, greift das Eisen die
insulinbildenden Zellen an und zerstört diese. Die Folge ist eine
spezielle Form des Insulinmangeldiabetes. Im fortgeschrittenen Stadium
verfärbt sich die Haut bronzefarben, daher die Bezeichnung
"Bronze-Diabetes". Besonders häufig ist eine Verfärbung der Haut in den
Achselhöhlen, im Genitalbereich und an den Händen zu erkennen.
Erstmalig
wurde die Hämochromatose 1889 beschrieben. Forscher gehen heute von
einer vererbbaren Erkrankung aus, die möglicherweise mit einer
genetischen Mutation verbunden ist. Eine genaue Zahl der Betroffenen
ist nicht bekannt. Schätzungsweise jeder 400. Bürger trägt eine solche
Veranlagung in sich. Die medizinische Universität Hannover hat ein
sogenanntes "Screening" an allen Studenten durchgeführt. Sie
untersuchte, wie viele von denjenigen, die eine genetische Veranlagung
haben, auch wirklich krank wurden. "Die Ergebnisse bestätigen, dass
mehr Menschen als bisher angenommen betroffen sind", erklärt der an der
Untersuchung beteiligte Oman Teppersien, Marketingleiter bei
Hain-Lifesciene und Diplom-Biologe. "Die Häufigkeit der Krankheit wird
unterschätzt. Es besteht ein enormer Aufklärungsbedarf", sagt
Teppersien weiter.
Symptome
Bei Männern tritt die Eisenspeicherkrankheit zehnmal so häufig auf
wie bei Frauen. Bei diesen wird durch die Menstruation das Blut
gereinigt, so dass die Eisenkonzentration konstant bleibt. Bis sich
eine erhöhte Eisenkonzentration gesundheitsschädigend auf die Organe
auswirkt, vergehen viele Jahre.
Die ersten Symptome treten bei
Männern häufig zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Frauen klagen
für gewöhnlich erstmals nach der letzten Regelblutung vor der Menopause
über Beschwerden.
Eisen ist im Körper an vielen
Stoffwechselprozessen und der Atmung beteiligt. Ein Teil des
aufgenommenen Spurenelements speichert der Körper für "schlechte
Zeiten". Ist diese Funktion gestört, verliert der Körper die Kontrolle
über die benötigte Menge und sammelt mehr Eisen an als er tatsächlich
benötigt. Über Jahre hinweg werden die inneren Organe in
Mitleidenschaft gezogen. Die Leber vergrößert sich und wird hart, im
fortgeschrittenen Stadium kann eine schmerzhafte Leberzirrhose die
Folge sein. Häufig gehen mit der Krankheit auch Schwellungen an den
Gelenken bis zur Steifheit der betroffenen Stellen einher.
Folgeerkrankungen können auch Zyklusstörungen, Impotenz,
Herzrhythmusstörungen, Kurzatmigkeit oder Wasser in den Beinen sein. In
knapp 80 % der Fälle ist die Bauchspeicheldrüse betroffen: Die
Spätfolge ist der sogenannte Bronze-Diabetes.
Früherkennung und Behandlung
Eine ernsthafte Schädigung der Organe tritt erst nach Jahren ein.
Viele Kennzeichen deuten aber bereits im Vorfeld darauf hin. Stellt der
Arzt erhöhte Leberwerte fest, sollte als nächstes die
Eisenkonzentration im Blut bestimmt werden. Bei erhöhten Werten kann
eine Überprüfung der Transferrin-Sättigung (Transferrin=
Eisentransporteiweiß im Blut) endgültig Klarheit über eine mögliche
Erkrankung schaffen. Normal liegt der Trasnferrin-Sättigungsgrad bei 45
%. Zwischen 45-70 % spricht man von einer beginnenden Hämochromatose
und ab 90 % ist die Krankheit symptomatisch. Um auf Nummer sicher zu
gehen, kann zusätzlich eine Gewebeprobe aus Haut oder Leber entnommen
werden.
Nach der Manifestierung der Hämochromatose muss
vordergründig der Eisengehalt im Blut gesenkt werden. Hierzu wird die
alte Methode des Aderlasses verwendet. Dem Patient wird in mehreren
Sitzungen jeweils ein halber Liter Blut entnommen. Bei dieser großen
Menge an Blut ist der Körper gezwungen, seine Eisenreserven aus den
Organen zu verwenden. Je nach angesammelter Menge kann sich die
Behandlung von einigen Monaten bis zu zwei Jahren hinziehen. Um eine
erneute Anlagerung zu unterbinden, muss der Betroffene weiterhin in
größeren Abständen zum Aderlass.
Wurde rechtzeitig mit der Therapie
begonnen, können dauerhafte Schäden der Organe verhindert werden. Einer
unbehandelten Eisenspeicherkrankheit folgt im schlimmsten Fall der Tod,
meist als Folge von Leber- oder Herzversagen oder durch den
unbehandelten Diabetes.
Vorsorge
"Die besten Vorsorgemaßnahmen sind regelmäßiges Blutspenden und die Kontrolle des Bluteisenwertes durch den Arzt", rät Teppersien. Da diese Krankheit allein durch Vererbung übertragbar ist, sollten sich Familienangehörige eines Betroffenen regelmäßiger Kontrolle unterziehen. Zwar ist die Krankheit nicht heilbar, kann aber durch die Aderlasstherapie gut und einfach behandelt werden. "Die Bestimmung des Eisenwertes und möglicherweise der Transferrin-Sättigung sollten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden. Die Überprüfung ist einfach, kostengünstig und könnte viele Folgeerkrankungen verhindern", plädiert Teppersien.
Das Interview wurde am 11.08.2003 durchgeführt.
Autor: Steffi Dörries